Küchenplanung – Die „Neuen“ machen mobil

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Wohnraum oder Küche? Auf den ersten Blick lassen sich sehr viele der aktuellen Küchenmöbel nicht mehr eindeutig dem Funktionsraum Küche zuordnen. Designideen wie High- und Lowboard, integrierte TV-Geräte, witzige bis elegante Nischenrückwände und Arbeitsplatten sind Zeugen einer wieder neu entdeckten Küchenära: der Wohnküche. Hand in Hand geht in der Architektur der Trend zu offenen Raumkonzepten mit fließenden Übergängen zwischen Küche, Ess- und Wohnraum.

Design für alle

Parallel erobern zunehmend komfortable technische Details diesen nicht mehr auf nur einen Menschen zugeschnittenen Lebensraum, so dass der Wohnaspekt auch bei der Küchenarbeit sichtbar und spürbar wird. Für Menschen jeden Alters. Und selbstverständlich nutzbar für jeden Küchengrundriss und jede Küchengröße.

Um zukunftsweisenden Innovationen für mehr Komfort gezielt auf die Spur zu kommen, setzen viele Hersteller in ihrer Forschungsabteilung den „Age Explorer“, also Alterssimulator, ein. Der Anzug reduziert durch Gewichte und Gelenkversteifungen, die in Ärmel und Hosenbeine eingefügt werden, die Beweglichkeit. Ein Helm samt Brille verändert die Hörfähigkeit, das Sehvermögen, das Farbsehen und das Gesichtsfeld. Spezielle Handschuhe vermindern die Tast- und Greiffähigkeit. In der Summe erlebt der Träger hautnah alle Einschränkungen, die altersbedingt auftreten können. Ziel dieser Forschungsarbeit ist jedoch nicht nur die Entwicklung spezieller Produkte für das Alter. Ziel ist „Design und vor allem Funktion für alle“. Denn Planungen und Produkte, die älteren Menschen komfortables Arbeiten ermöglichen, erleichtern auch allen anderen Altersgruppen das Dasein.

Nach Arbeitszonen planen

Grundlegend für Arbeitskomfort in der Küche sind kurze Wege. Gewährleistet werden diese durch eine Innenarchitektur, die den logischen Arbeitsabläufen vom Verstauen der Einkäufe bis zum Fertigstellen der Mahlzeiten entspricht. Für Rechtshänder ist das eine Abfolge von links nach rechts:

  1. „Bevorraten“ i Kühl-Gefrier-Kombination und Hochschrank für geschlossene Vorratspackungen, Dosen und Fertiggerichte.
  2. „Aufbewahren“ von Geschirren, Bestecken, Gläsern und Elektrogeräten in Ober- und Unterschränken.
  3. „Spülen“ inklusive Müllentsorgung und Putzmittelstauraum.
  4. „Vorbereiten“ mit Stauraum für Gewürze und geöffnete Lebensmittel, Küchenwerkzeuge wie Gemüsemesser und Sparschäler, Folien und Allzweckpapier.
  5. „Kochen und Backen“ mit Stauraum für Pfannen, Töpfe, Deckel, hier benötigtes Küchenwerkzeug und Lebensmittel wie Backzutaten.

Bequemen Zugriff gestalten

Alle täglich oder häufig eingesetzten Gerätschaften und Lebensmittel in diesen Zonen sollte man direkt ober- und unterhalb der Arbeitsflächen verwahren, um Wege und Zeit zu sparen. Dazu stehen außerdem zum Schrankraum je nach Arbeitszone individuell bestückbare Nischensysteme zur Verfügung, die an der Wand befestigt werden und auf Tablaren, in Körben und Schütten, an Haken und Schienen alles Wünschenswerte in Greifweite bereithalten. Zweite Komponente für einen direkten Zugriff sind die Schubladen und Auszüge der Unterschränke – von Drehtüren und Fachböden dahinter ist generell abzuraten.

Nutzwertigen Komfortzuwachs bietet die aktuelle Unterschrankgeneration in mehrfacher Hinsicht: Erhältlich ist mechanisch oder elektrisch betriebene Öffnungstechnik, die auf Antippen oder einen leichten Kick mit dem Knie reagiert. An der Spüle zum Beispiel bleiben beide Hände frei zum Entsorgen von Bio- oder anderen Abfällen. Bereits Standard sind Schubladen und Auszüge mit Selbsteinzug und Einzugsdämpfung – auch voll beladen gleiten sie leichtgängig und leise in ihre Ausgangsposition zurück.

Hilfreich für effektives und ergonomisches Arbeiten sind die vielfältigen Möglichkeiten zur Innenausstattung der Schränke. Dazu gehören für Hochschränke Innenauszüge bis in Greifhöhe sowie 30 Zentimeter schmale Frontauszüge, die Apothekerschränke. Sie sind inzwischen auch als seitlich schwenkbare Modelle erhältlich, so dass man zum Einräumen oder Entnehmen weder umgreifen noch die Seiten wechseln muss. Zur Innenorganisation der Schubladen und Auszüge stehen mittlerweile Einsätze und Einteilungen für jeden Zweck zur Verfügung: Behälter an festen Plätzen für offene Lebensmittel wie Mehl, Zucker und Salz; Arbeitsmessereinsätze und Tellerhalter; variabel umsteckbare Inneneinteilungen, die von Backwerkzeugen und -zutaten bis zu den Putzmitteln alle Dinge direkt an ihrem Einsatzort verstauen lassen … Den Bewegungskomfort beim Bedienen der Schubladen und Auszüge gewährleistet moderne Beschlagstechnik: Sie lassen sich bis zum Anschlag herausziehen, so dass alle Inhalte komplett eingesehen und in bequemer Körperhaltung von oben entnommen werden können.

Die richtigen Arbeitshöhen realisieren

Grundsätzlich sollen alle Personen, die in der Küche arbeiten, jede Tätigkeit in aufrechter Körperhaltung ausführen. Bereits eine Neigung der Wirbelsäule um 20 Grad nach vorn kann zu Rückenschmerzen und Ermüdung führen. Vom Küchenplaner werden körpergerechte Höhen von Arbeitsplatte, Kochfeld und Spüle für die Hauptarbeitsperson berücksichtigt; sobald sich jedoch zwei unterschiedlich große Personen die Küchenarbeit teilen, bleibt es meist bei Kompromisshöhen. Das ist nicht nötig: Grundsätzlich kann jedes Küchenmöbelprogramm vom Spezialisten höhenverstellbar montiert werden.

Bei einigen Möbelherstellern sind entsprechende Systeme inzwischen auch gelistet. Der Vorteil: Oberschränke können zum Ein- und Ausräumen elektrisch auf die ideale Greifweite gefahren werden. Manuelle oder elektrische Systeme erlauben es, auch das Kochfeld, die Spüle und die Arbeitsfläche in der Höhe zu verstellen und auf Wunsch untersitz- bzw. unterfahrbar zu gestalten. Kinder können helfen, ohne auf Stühle steigen zu müssen, für Stehberufler ist es eine Wohltat, am Abend im Sitzen arbeiten zu können, für ältere Menschen oft die einzige Möglichkeit, überhaupt zu kochen – Höhenverstellungen sind perfekt für eine vorausschauende Planung.

Sichere Hausgerätetechnik wählen

Komfort und Sicherheit gehen bei moderner Gerätetechnik Hand in Hand. Zwei Aspekte als Beispiele – zunächst das Backen: In den Unterschrank eingebaute Backöfen ohne Teleskopauszüge oder Backwagen lassen sich nur bedienen, indem man sich bückt bzw. in die Hocke geht. Ergonomisch günstig sind hoch oder erhöht eingebaute Geräte – das gilt auch für Kühlschrank und Geschirrspüler –, die im Stehen Einblick und Zugriff bieten.

Überlegenswert ist ein Backofen mit Drehtür und darunter montierter ausziehbarer Abstellfläche. Stehen weder Hochschrank noch Highboard zum Einbau zur Verfügung, kann ein an der Wand montierter Lift-Backofen mit herunterfahrbarem Boden sinnvoll sein. Beim Kochen sind heute Glaskeramikkochflächen Standard. Pflegeleicht, sicher, sehr schnell und damit Energie sparend sind und arbeiten Induktionskochfelder. Durch magnetische Wechselströme wird die Wärme direkt in den (magnetisch leitenden) Böden der Kochgeschirre erzeugt. Dadurch wird die Kochzone selbst nur durch die Rückwärme von Topf oder Pfanne erwärmt und es besteht kaum Gefahr, sich die Finger zu verbrennen. Zudem kann Übergekochtes nicht einbrennen, die Reinigung wird erleichtert.

Mehr Kühlkomfort

Kühlschränke werden vermehrt mit mehreren Klimazonen angeboten. Zusätzlich zur herkömmlichen Technik warten sie mit Frischhaltefächern auf, in denen frische Lebensmittel bei ca. 0 Grad und je nach Fabrikat mit unterschiedlicher Luftfeuchtigkeit gelagert werden. In diesen Fächern bleiben sowohl tierische als auch pflanzliche Produkte länger frisch. Einkaufszeiten verringern sich, und es besteht die Sicherheit, mit Lebensmitteln zu kochen, in denen trotz Lagerzeit die wichtigen Vitalstoffe weiterhin erhalten sind. Noch ein zweites Kaufkriterium wird immer bedeutsamer: der Energieverbrauch. Kühl- und Gefriergeräte arbeiten 24 Stunden am Tag, die Energiekosten steigen. Es ist deshalb sinnvoll, sich für echte Stromsparer zu entscheiden, und das sind Geräte der Energieeffizienzklasse A+++.

So viel Licht wie möglich

Das Beleuchtungskonzept der Küche unterliegt heute nicht mehr allein funktionalen Aspekten. Der Trend zur Wohnküche hat das atmosphärische Element ins Spiel gebracht. Dadurch entstanden neue Designideen, die beiden – funktionalen und ästhetischen – Anforderungen gerecht werden:

  • Zur gleichmäßigen Helligkeitsverteilung im Raum dient die Grundbeleuchtung. Sie wird mit Betreten der Küche eingeschaltet und lässt sich durch Halogen- oder LED-Spots beispielsweise so gestalten, dass je nach Wunsch Licht zu- und weggeschaltet werden kann – Lichtreizüberflutung in der Nacht oder am Morgen ist so ausgeschlossen.

  • Blendfreie und schattenwurffreie Arbeitsplatzbeleuchtungen sind ein Muss in jeder Küche. Viele Innovationen haben den Spielraum erweitert. Dazu gehören u. a. mit LEDs bestückte Schubladen und Kühlschränke, Regalelemente sowie Nischenrückwände.

  • Emotionales LED-(Farb-)Licht wird für Schrankinnenräume und Nischenrückwände eingesetzt, ergibt aber auch ein schönes Nachtlicht, z. B. als Lichtleiste unterhalb der Arbeitsplatte oder als Sockelbeleuchtung an der Möbelzeile.

 
 

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