Wie sieht der ideale Standort aus?

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Für sich selbst weiß man im Allgemeinen ziemlich genau, in welchem Umfeld man leben möchte. „Ich bin ein Stadtmensch“, heißt es dann zum Beispiel in Entgegnungen auf begeisterte Schilderungen dörflicher Ruhe. Und es folgt eine Auflistung all der Aktivitäten, die eben diese (Groß-)Stadt ermöglicht. Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, wird sich aber nicht generell auf diese Entweder oder- Haltung stützen können. Vielmehr sind eine Vielzahl entscheidender Faktoren unter einen Hut zu bringen.

Eine wichtige Grundlage der Diskussion um den möglichen Standort von Wohneigentum bilden die verfügbaren Finanzierungsmittel. Die Immobilienpreise steigen meist mit zunehmender Stadtnähe, so dass das erschwingliche Objekt für „Stadtmenschen“ in erwünschter innerstädtischer Wohnlage oft nicht mehr die erforderliche Wohnfläche beinhaltet. Und aus der Sicht des „Landmenschen“: Der Idealbauplatz im ländlichen Raum liegt so weit von der Arbeitsstelle entfernt, dass viel Freizeit auf der Straße stattfindet, die Kosten für den Pkw-Unterhalt kontinuierlich steigen und die Anschaffung eines Zweitwagens erforderlich ist.

Mit Hilfe grundsätzlicher Vorüberlegungen, die Wohnwünsche und Kapitalrahmen verbinden, werden potenzielle künftige Wohngebiete regelrecht eingekreist. Diese müssen nun auf beste Eignung abgeklopft werden, und zwar im Hinblick auf den gesamten Lebenszyklus. Am Anfang sollte immer eine Ortsbegehung stehen. Die konkrete Lage des Objekts und das unmittelbare Umfeld sind entscheidend für die Lebensqualität und sollten genau unter die Lupe genommen werden.

Straßen mit hoher Verkehrsdichte bergen nicht nur Gefahren, insbesondere für Kinder und ältere Menschen, sie lassen auch Lärm und Luftverunreinigung erwarten. Liegen in nächster Nähe Gaststätten und Biergärten, Tankstellen, lärmintensive Betriebe wie Schreinereien oder Autowerkstätten, sind ebenfalls Ruhebeeinträchtigungen zu erwarten.

Bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung lässt sich durch Einsicht in den Flächennutzungsplan, den Bebauungsplan und in Straßenbaupläne klären, ob Veränderungen zu erwarten sind. Beispielsweise könnte ein angrenzendes Gelände bereits als Gewerbegebiet oder umfängliches Freizeit und Sportareal ausgewiesen sein. Oder im Bebauungsplan ist die zweistöckige Bauweise festgelegt, das Traumhaus ist jedoch ein Bungalow. Oder es ist geplant, die Straßenführung zu ändern, so dass in wenigen Jahren mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist.

Selbstverständlich können die Gemeinde bzw. Stadtauskünfte auch positive Nachrichten bringen: So sehen die kommunalen Strukturpläne vielleicht nicht Industrie- oder Gewerbeflächen in der Nachbarschaft vor, sondern den Bau eines Kindergartens oder Kulturhauses. Oder eine Umgehungsstraße entlastet künftig den Ortskern. Bestandteil dieser ersten Recherchen ist auch ein Blick auf die Nachbarschaft. Der Zustand von Häusern und Gärten gibt Aufschluss über allzu große Pingeligkeit bzw. Vernachlässigung. Besuche an verschiedenen Wochentagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten lassen Aussagen über die Altersstruktur treffen und damit die Frage beantworten, ob die eigenen Kinder Spielkameraden finden. Oder über das Freizeitverhalten wie die Art der Gartennutzung und Musikvorlieben der Nachbarn in spe.

Persönliche Prioritäten
Für die Bewertung der einzelnen Erkenntnisse gibt es natürlich keine Richtschnur. Sie ist abhängig von den eigenen Wünschen, Vorstellungen und Lebensumständen. Um umfassend den Standort von Bauplatz oder Gebrauchtimmobilie betrachten zu können, sollte man eine Liste der ganz persönlichen
Standortfaktoren zu Hilfe nehmen. Eine wichtige Rolle spielt die Entfernung zwischen Wohnhaus und Arbeitsplatz: Welche Verkehrsanbindung besteht? Wie stark befahren sind die Straßen? Welche Fahrzeit muss veranschlagt werden? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel, um auf Bus oder Schiene ausweichen zu können?

Bei Familien mit Kindern obenan steht die Frage nach den jeweiligen Entfernungen zu Kindergarten und Schulen. Sind sie fußläufig und sicher zu erreichen oder beginnen hier bereits die Fahrdienste? Sind weiterführende Schulen vorhanden? Falls nein, wie steht es mit Fahrradwegen und Schulbus? Spielplätze, Frei- und Hallenbad, Sportvereine, musische Einrichtungen – Kinder sollten in ihren Interessen und Fähigkeiten gefördert werden. Gut, wenn das ohne einen minutiösen Chauffeur-Terminplan funktioniert. Dazu kommen weitere infrastrukturelle Einrichtungen, die in allen Lebensphasen benötigt werden.

Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf werden idealerweise innerhalb von zehn, fünfzehn Minuten zu Fuß erreicht. Aber auch die Versorgung mit nicht alltäglichem Bedarf sollte dauerhaft sichergestellt sein. Dazu gehören Post, Bank, (Fach-) Ärzte, Apotheke, Frisör, Reinigung, kulturelle Angebote wie Kino und Theater, Restaurants und Kirchen, die zumindest über öffentliche
Verkehrsmittel erreichbar sein sollten.

Checkliste Standortkriterien:

  1. Detaillierte Anforderungsliste an Infrastruktur,öffentliche und allgemeine Verkehrsanbindung, Freizeiteinrichtungen, landschaftliche Lage, Naherholungsangebote.
  2. Ortsbegehung/Besichtigung zum Abgleich mit der Anforderungsliste. Notizen über persönliche Eindrücke wie Verkehrsdichte, Lärm- und Geruchsbelästigung.
  3. Mehrere Tageszeiten einplanen, in allgemeinen Wohngebieten (u. a. Restaurants und Sporteinrichtungen zulässig) und Mischgebieten (u. a. Tankstellen, Vergnügungsstätten zulässig) auch spät am Abend/nachts.
  4. Besuche an Werk- und Sonntagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten.
  5. Einsichtnahme in Flächennutzungsplan, Bebauungsplan, Straßenbaupläne bei der Stadt bzw. der Gemeinde.
  6. Blick über den Gartenzaun, soziales Umfeld.
  7. Wenn möglich Gespräche mit potenziellen Nachbarn zum Wohnumfeld, zu Gewohnheiten: eigene und nachbarschaftliche Toleranzschwelle erkunden, Tierhaltung.
  8. Werden Räume/Sitzplätze im Freien durch Baumbestand oder hohe Bebauung verschattet?
  9. Gibt es Schutz vor unerwünschten fremden Einblicken?
  10. Nord- oder Südlage des Gartens. Hochwassergefahr, Windeinfluss bei Hang- oder Bergkuppenlage.

 

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